Baumwolle

Aus Zukunftsklima
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Die Saat

Die Baumwollpflanze, Quelle: © Manfred Rose / pixelio.de http://www.pixelio.de/

Hast du schon einmal die Blüte einer Baumwollpflanze in der Hand gehabt? Sie fühlen sich sehr weich und plüschig an. Die Saat für die Baumwolle kommt meistens aus Indien. Große Konzerne betreiben Baumwoll-Farmen, in denen viele Menschen beschäftigt sind. Manchmal arbeiten dort auch Kinder, insbesondere Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren, unter sehr schlechten Bedingungen. Zwischen 9 und 13 Stunden müssen sie pro Tag auf den Feldern schuften. Deshalb haben sie auch keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Außerdem ist das Arbeiten in den Baumwoll-Farmen schlecht für die Gesundheit. Für die Saat-Herstellung werden sehr viele Schädlingsbekämpfungsmittel, sogenannte Pestizide, benötigt, die von den Arbeitern eingeatmet werden. Diese Gifte sind hochgefährlich und können das Nervensystem des Menschen schädigen.

Ein weiteres Problem ist die Verwendung gentechnisch veränderter Baumwollpflanzen für die Saat-Herstellung. Diese werden für die Hälfte allen Saatguts eingesetzt. Gentechnisch veränderte Baumwollpflanzen sollen zum Beispiel dazu führen, dass sich der Einsatz von Unkrautbekämpfungsmittel verringert. Diese Begründung ist aber umstritten. Viele Wissenschaftler sagen auch, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Es ist noch nicht absehbar, welche Auswirkungen der Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen haben wird. Fachleute befürchten aber, dass dadurch viele Pflanzen und Tiere geschädigt werden könnten.

Der Anbau

Die Baumwollpflanze benötigt ein warmes Klima, um zu wachsen. Man findet sie zum Beispiel in Nordamerika, Japan, China und in Indien. In Europa gibt es nur in Griechenland große Anbaugebiete. Baumwolle wird meist auf riesigen Flächen angebaut. Die Produktion hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt. Da die Pflanze sehr viel Wasser zum Wachsen benötigt, hat sich der Wasserverbrauch auch drastisch erhöht. Für den Anbau einer einzigen Jeans werden ungefähr 8.000 Liter Wasser benötigt!

Die Pflanzen sind sehr nährstoffbedürftig und empfindlich. Deshalb wird beim Anbau viel gedüngt und große Mengen an Pflanzenschutzmitteln verwendet. Die giftigen Spritzmittel haben nicht nur Auswirkungen auf die Natur, sie schädigen auch die Gesundheit der ArbeiterInnen.

Ein gefährlicher Kreislauf entsteht: Schädlinge werden immer widerstandsfähiger den Giften gegenüber, deshalb müssen immer neue Chemikalien gefunden werden, mit denen Insekten und Unkraut bekämpft werden können. Die Natur wird dadurch immer weiter zerstört, Grundwasser und Menschen vergiftet.

Verarbeitung

Die Baumwollernte, Quelle: © Dieter Schütz / pixelio.de http://www.pixelio.de/

Wenn die Baumwollkapseln reif sind, können sie geerntet werden. Entweder werden die Blüten von Hand abgepflückt oder Maschinen übernehmen diese Arbeit. Kurz vor der Ernte werden die Pflanzen noch einmal kräftig mit Chemikalien besprüht, zum Beispiel zur Entlaubung der Pflanzen. Die geerntete Baumwolle wird zum Trocknen 30 Tage gelagert.

Zur Verarbeitung und für die Erstellung des Garns können nur die Langfasern verwendet werden. Diese Fasern werden für den Weitertransport in Ballen gepresst und so verschifft. In Deutschland wird die Ware beispielsweise in Bremen vom Schiff auf einen Lastwagen geladen, um dann in Lagerhallen transportiert zu werden. Bevor die reine Wolle in Spinnereien verarbeitet wird, wird sie gereinigt.

An vollautomatischen Spinnmaschinen werden die Fasern dann zu Garn gesponnen. Die Fäden werden in Webereien oder Stickereien weiter verarbeitet. Es entstehen große Stoffbahnen, aus denen zum Beispiel T-Shirts oder Jeans hergestellt werden könnten. Aber vorher werden die Stoffe meist noch veredelt. Leider ist dieser Vorgang mit dem Einsatz von vielen Chemikalien verbunden. Veredeln heißt beispielsweise Bleichen oder Färben, aber auch Reißfestigkeit, mehr Glanz und Knitterschutz herstellen. Diese Arbeiten werden meist in Billiglohnländern, also den Ländern des Südens, ausgeführt. Dort werden dann auch die giftigen Chemikalien eingesetzt und damit die Gesundheit der Arbeiter gefährdet. Viele von diesen Chemikalien würden bei uns verboten sein, doch in den Produktionsländern unserer Kleidung werden sie verwendet. Die Textilfirmen kommen häufig aus Amerika oder Europa, sie kümmern sich kaum um Umweltschutz und Arbeitsschutzmaßnahmen.

Wenn wir ein T-Shirt aus 100% Baumwolle kaufen, enthält dieses noch 27% Chemikalien, wie zum Beispiel Farbstoffe oder Weichmacher. 10% dieser Chemikalien sind noch auf dem T-Shirt, wenn wir es anziehen. Der Rest wird vorher ausgespült und landet im Abwasser oder verpestet die Luft.

Bio-Baumwolle und Fairtrade-Baumwolle

Immer mehr Menschen wehren sich gegen den Einsatz dieser vielen Gifte bei der Herstellung von T-Shirts und Jeans. Deshalb erhöht sich die Nachfrage nach Bio-Baumwolle. Derzeit werden ca. 0,1% der weltweit produzierten Baumwolle nach ökologischen Kriterien angebaut. Das ist nicht viel, aber der Anteil wächst stetig. Hierbei wird auf den Einsatz von giftigen Stoffen, wie Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger beim Anbau und Färbe- und Bleichmittel bei der Verarbeitung verzichtet. Außerdem wir viel Wert auf eine intakte Umwelt gelegt, das heißt, dass viele Tiere und Pflanzen in den Anbaugebieten leben, der Boden ist gesund und fruchtbar und es wird im Einklang mit der Natur gearbeitet.

Es wurde ein Zertifizierungssystem für einen "kontrolliert biologischen Anbau" entwickelt: Um das Zertifikat zu bekommen, müssen die Anbauflächen für Baumwolle mindestens drei Jahre lang nach den Regeln des biologischen Landbaus bewirtschaftet worden sein. Dazu gehört der Verzicht auf giftige Chemikalien. Außerdem ist der Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen verboten. Hiermit verbunden ist oft auch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Anbauländern, die Bauern bekommen zum Beispiel ein familiengerechtes Einkommen.

Klamotten von bekannten Marken stehen meist nur für einen bestimmten Modetrend und nicht für fairen Handel oder Bio-Baumwolle. Nicht Markenname sondern Fairtrade-Siegel oder Bio-Siegel garantieren faire bzw. umweltschonende Herstellung.

Literatur und weiterführende Links

Rolle, Marion (2007): Weltreise einer Jeans. Auf den Spuren unserer Kleidung, S. 101-114.

Was bedeutet Fairtrade? Fairtrade-Siegel

Was bedeutet bio bzw. aus ökologischem Landbau? Bio-Siegel