Jeans konventionelle Baumwolle

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Auf den Punkt gebracht

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Wir alle tragen gerne Jeans und haben mindestens eine davon im Kleiderschrank liegen - doch ist uns bewusst, wie eine Jeans hergestellt wird? Dass sie eine halbe Weltreise hinter sich hat, bevor wir sie kaufen können? Und dass große Konzerne, die die Jeans herstellen lassen, die Arbeiter in Entwicklungsländern ausbeuten? Die Herstellung der Jeans von der Baumwollblüte bis zum fertigen Kleidungsstück ist ein sehr aufwendiger Prozess: Der Anbau der Baumwollpflanze erfolgt unter starkten Chemieeinsatz, damit die Pflanze den Ansprüchen der großen Konzerne genügt. Die Baumwollblüten werden zu Garn und dann zu gewebten Stoffen verarbeitet. Diese werden gefärbt und genäht bis eine fertige Jeans entsteht. All diese Arbeitsschritte finden in unterschiedlichen Ländern auf der ganzen Welt statt. Damit die gesamte Produktion so günstig wie möglich wird, suchen sich die großen Konzerne immer das Land aus, wo sie am günstigesten den erforderlichen Arbeitsschritt ausführen können. Auf ihrem Weg legt die Jeans daher viele Transportkilometer zurück und verbraucht dadurch sehr viel CO2. CO2-Bilanz je Jeans: 23.500g

Das bedeutet konkret

Eine Jeans besteht aus 100% Baumwolle. Wie eine Baumwollpflanze aussieht, welche Probleme es beim Anbau gibt und wie Baumwolle hergestellt wird, kannst du hier nachlesen.

Für eine einzige Jeans benötigt man 1kg Baumwollkapseln. Bis eine Jeans hier in unsere Läden kommt, hat sie eine halbe Weltreise gemacht, vergleichbar mit einem T-Shirt. Es gibt unzählige von Ländern, wo die Baumwolle wachsen kann, wo die Baumwolle verarbeitet werden kann und wo die Jeans gefärbt wird. Wir zeigen Euch hier einen beispielhaften Weg auf, aber sicher ist, dass die Jeans immer die Welt umreist, bevor sie in Deutschland verkauft wird.

Um den Weg der Jeans nachvollziehen zu können, nimm dir eine Weltkarte zur Hilfe, dann siehst du immer, wo wir gerade sind.

Wir stellen uns vor, dass die Baumwolle in Kasachstan geerntet wird. Unter schwersten Bedingungen wird die Saat aufs Feld getragen und um einen wirklich guten Ertrag zu haben, wir viel gedüngt und gespritzt. Die Düngemittel und Spritzmittel kommen aus Deutschland, sie haben also schon einen weiten Weg hinter sich, um dann in Kasachstan aufs Feld getragen zu werden. Der Einsatz dieser Chemikalien ist sehr schlecht für die Gesundheit der Arbeiter. Die geerntete Wolle wird dann in die Türkei verfrachtet. Dort wird sie in Spinnereien zu Garn verarbeitet. Die vollautomatischen Maschinen kommen aus der Schweiz. Die Fäden werden als nächstes nach Taiwan transportiert, damit sie hier zu großen Stoffbahnen gewebt werden können. Mit riesigen Containerschiffen wird dann der gewebte Stoff nach Frankreich verschifft, hier wird er gefärbt. Die hier verwendeten Farben werden meist in China hergestellt. Weiter geht es auf die Philippinen zum Zuschneiden der Stoffe und nach Guatemala zum Nähen der Jeans. Die Knöpfe kommen aus Großbritannien.

Doch warum wird soviel Aufwand betrieben, um eine Jeans herzustellen? Nach dieser Weltreise sind die Kosten für eine Jeans tatsächlich günstiger, als wenn sie nur in Deutschland gefertigt werden würde. In vielen Ländern verdienen die Arbeiter sehr viel weniger als in Deutschland und sie arbeiten länger, weil sie unter Druck gesetzt werden und ansonsten ihren Job verlieren würden. In den Produktionshallen und auf den Toiletten befinden sich Kameras, damit sie ständig überwacht werden können. Reißt zum Beispiel in der Weberei in Taiwan einer Arbeiterin ein Faden, steht sofort ein Aufseher hinter ihr, um zu schauen, wo das Problem liegt.

Hier in Deutschland sorgen Arbeitnehmerrechte dafür, dass internationale Arbeitsstandards eingehalten werden. Die Arbeiter bekommen genug Lohn, um überleben zu können. Dadurch wird aber die Herstellung einer Jeans in Deutschland um einiges teurer und leider wird beim Kauf eines Kleidungsstücks noch immer häufig auf den Preis geschaut. Doch über die Konsequenzen dieses Kaufs wird kaum nachgedacht.

Die Textilfirmen möchten am Ende eines Jahres einen satten Gewinn erwirtschaften, deswegen werden Arbeitnehmerrechte in den Ländern des Südens kaum eingehalten. Die dort lebenden Menschen werden ausgebeutet und auf Kosten ihrer Gesundheit produzieren sie Billigjeans für uns.

Wer von Euch hat vielleicht sogar eine stone-washed-Jeans im Schrank? Neu gekaufte Jeans sehen aus, als ob sie schon 10 Jahre alt wären – das ist in und wird von jungen Leuten gern getragen. Stone washing ist ein Herstellungsverfahren, bei dem die fertigen Jeans in großen Maschinen gewaschen werden. In diesen Maschinen befinden sich außerdem große Bimssteine. Die Jeans bekommt durch den intensiven Abrieb ihr besonderes Aussehen. Ein anderes Verfahren nutzt Chemie, um den Baumwollstoff zu bleichen oder Sandstrahler, die eine extreme Farbveränderung hervorrufen. Um eine fast weiße Farbe zu bekommen, wird Chlor eingesetzt. All diese Verfahren sind gesundheitsschädlich für die Arbeiter. Sie atmen beispielsweise bei der Arbeit mit den Sandstrahlern den feinen Sandstaub ein, der sich dann in der Lunge festsetzt, dies kann sogar zum Tod führen. Diese Arbeiten werden nur in seltenen Fällen in Europa durchgeführt, meistens befinden sich die Fabriken in der Türkei, in Indien oder in China, wo keine Arbeitssicherheitsmaßnahmen durchgeführt werden.

Kima-Bilanz: Die CO2-Bilanz von einer Stone-wahed Jeans aus konventioneller Baumwolle, die in Kasachstan angebaut und in Taiwan weiter verarbeitet wurde liegt bei 23.500 Gramm.

Für die Experten unter Euch

In Deutschland werden nur etwa 10% der Kleidungsstücke hergestellt, die hier getragen werden. Der Rest wird in Billiglohnländern produziert. Obwohl die Transportwege dadurch sehr lang werden, ist dies immer noch günstiger, weil die Arbeiter dort viel weniger verdienen. Die Jeans ist circa 20.000 Kilometer durch die Welt gereist, bevor sie in Deutschland verkauft wird. Vom Verkaufspreis einer Jeans, der ungefähr bei 75 EUR liegt, bekommen die Arbeiter nur etwa ein Prozent. Von diesem Lohn zu Leben ist fast unmöglich, aber vielen Arbeitern aus den Entwicklungsländern bleibt leider keine andere Wahl.

Es gibt Alternativen zur Jeans aus konventioneller Baumwolle, lest dazu den Artikel Jeans von einem Öko-Label.

Was macht Ihr mit Eurer ausgetragenen Jeans? Mehr Informationen zum Thema Altkleider findest du hier.

Weitere Informationen bekommst Du hier:

  • [1] Spiegel-Online-Artikel: Warum die Jeans von Lidl und Co. so billig sind
  • [2] Vom Umweltinstitut: Fragen und Antworten – Bekleidung – Baumwollbekleidung
  • [3] Arbeitsblatt LANGE REISE EINER JEANS
  • [4] Zum CO2-Verbrauch während des Lebenszyklus einer Jeans - Auf Englisch!
  • [5] Einkaufen im globalen Supermarkt - Fairer Handel im Unterricht
  • [6] Themenheft Textil und Mode

Literatur